groβ(gross)-namaqualand

Groβ-Namaqualand. 

Freunden und Freundinnen – in herzlicher Liebe gewidmet

von H. C. Knudsen; rhein. Missionar

Zum besten der rhein. Mission herausgegeben; Barmen, 1848. Gedruckt bei J. F. Steinhaus.

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Aufgefordert bin ich von mehreren lieben Freunden der Mission, das, was ich an verschiedenen Orten aus Namaqualand mitgeteilt habe, zusammenzustellen und ein kurzes Schriftchen zu fassen. Hier erscheint es.

Wie der Mann ist, so ist sein Wort. Auch ich will nicht, das man mehr von mir halte, als was man von mir hört oder siehet.

Gewöhnliche, geringfűgig scheinende Sachen werde ich euch vorfűhren. Sie gehören zum Ganzen des Bildes. Und was ich gesehen und gehört und mit Händen betastet habe, werde ich euch vorfűhren, es sei edel oder unedel. Ihr werdet ja nicht anders als Wahrheit, oder mer als die Wahrheit wollen.

“Die Wűste soll blűhen.” Und hast du die vielen anderen Verheiβungen fűr die Wűste gelesen? Ich will dich auch in die Wűste fűhren und dann freundlich mit dir reden. Jetzt singe die Muth in’s Herz hinein : “In die Ferne möcht’ ich ziehen, weit von mein Vater’s Haus !

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I. Die Reise nach und durch Sűdafrika bis zu der Wűste der Groβ-Namaquas.

Ich bin vor 7 Jahren dorthin gefahren. Zwei bis drei Monate blieben wir auf dem Meere wie ausser der Welt schweben, und es schien uns, als wenn es nur eine Arche Noä gäbe.

“Cap der gute Hoffnung !” hörten wir dann endlich mit Freuden, und wiewohl wir vorher nicht ohne Hoffnung waren, so sah man doch früher keine Cap’sche Tafelfelsen wie jetzt. Die Hoffnung hält sich gern beim Felsen auf. Wir verlassen jedoch die schöne, weisse Capstadt mit ihren platten Dächern, mit ihren breiten und geordneten Strassen und schönen Bäumen, mit all den herrlichen Früchten und Appelsinen, mit den Weinen und allem, was da ist.

Wir können es nicht mitnehmen. Wir müssen Raum zum Wohnen im Wagen haben, und kann man in Deutschland 100-150 Centner aufladen, wir kaum 20 Centner.

Die “gute Hoffnung” liegt schon hinter uns, wie es so oft der Fall ist mit allen irdischen Hoffnungen. Wir ziehen nach Norden der Westküste entlang und wollen nach Nama-Bethanien. Nimm die Missionskarte vom Insp. Dr. Richter zur Hand.

Unsere schönen Dörfer Stellenbosch und Worchester, unser einfaches Tulbagh mit Steinthal und ihren geordneten, unirten Heidengemeinden lassen wir rechts liegen.

Wupperthal und die Karreberge liegen uns noch mehr aus dem Wege. Wir bleiben im Sande in der Nähe des Ufers. Unterwegs bis EbenEzer will ich dir erzählen, wie wir zu unserm

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Wagen gekommen sind. Zeit werden wir genug bekommen, denn wir bleiben 2-3 Wochen auf dem Wege nach EbenEzer, bis Bethanien 3 Monat. Es sind nur 120 Meilen oder  240 Stunden. Die Ochsen schreiten langsam, wie du siehst.

Ich wollte dich nicht aufhalten mit allerlei mühsamen Berathungen, wollte auch nicht etwa aus Schadenfreude dir sagen : Gehe nun zu Fuss zu den Heiden, nimm dein Bett auf und wandle, und nimm auch Speise für 3 oder 12 Monate mit auf den Rücken – ich sehe ja, dass du kaum die Hitze tragen konntest, viel weniger als andere.

Nun werden wir aber mit der Zeit wieder aus der Welt kommen und finden weder Weg noch Sted, auch keine Bauern oder sonst Menschen, bei denen wir einkehren, Rath und Hülfe bekommen, oder den Weg erfragen können. Du warst auch müde von der langen Seereise und es hätte Jahre lang dauern können, bis eine Gelegenheit zur See gewesen wäre; und dann hätten wir doch, wo wir landen würden, bei Orangefluss, Angra-Peguin oder Wallfischbai, einen Wagen oder zwei nöthig gehabt, und weder Wagen noch Ochsen, oder Leute und Führer gefunden.

Hätten wir Pferde oder Ochsen gepackt, so wäre das uns noch kostspieliger geworden, und wir hätten noch viel mehr Last gehabt, als mit unserem plumpen vierrädigen Wagen, und hier haben wir doch ein Zelt über uns gegen den Sonnenbrand.

Den Wagen kaufte ich für 600 preuss. Thaler (früher 500) und die 18 Ochsen, die, wie zwei Reihen Soldaten an den beiden Seiten des Wagen-Taues,

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je zwei und zwei unter einem Joche, gemeinschaftliche Kraft beweisen, für 500 Thlr., d. h. es gehen auch andere ledige mit, die uns in der Noth weiter helfen werden.

Auch einige Schlachtschafe siehst du bei uns. Ich habe ferner dafür gesorgt, dass wir 2 Gewehre, Pulver und Blei, Feuerdosen, Messer u.s.w. auf den Wagen haben.

Sei nicht besorgt, wir wollen den Guten nichts Böses thun, aber die bösen Löwen, Hyänen und Tiger wollen wir nicht unter unsrer Heerde dulden.

Vielleicht werden wir gar nichts davon brauchen auf dem Wege, aber wenn wir dort in Namaqualand ankommen, dann wollen wir dafür Ochsen oder Schafe kaufen, damit wir Fleisch zu essen bekommen, denn die Leute dort leben von der Jagd und müssen Pulver haben. Sie haben das Pulver nicht erfunden und haben auch kein Geld, aber doch Heerden, und wir müssen auf diese Weise Fleisch von ihnen eintauschen. Brot wirst du dort nicht bekommen, Gemüse auch nicht, Kartoffeln auch nicht, Reis und Früchte und Wein und Mehl auch nicht. Nur Fleisch und Milch.

Ich habe aber etwas mitgenommen, damit du auf dem Wege allmählich davon abgewöhnt würdest.

Auch mit Wein und Mehl für das Abendmahl habe ich mich versorgt. Wenn du aber dort bist, rathe ich dir, dass du bei ausserordentlichen Gelegenheiten dir Milch kochen lässt und dir Milchsuppe bereitest. I fürchte, dass die lieben Heiden dich so plagen werden mit Betteln, dass du froh bist, wenn dein kleiner Vorrath zu Ende ist.

Freilich, wenn du zu Nama-Bethanien bleiben kannst, so mache dir bei der Quelle einen Garten, pflanze Kartoffeln etc., – das konnte ich nicht tun, denn ich war damals allein und

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musste immer auf der Reise unter dem Volke sein.

Ich habe auch allerlei Geräthschaften auf den Wagen geladen. Wir haben es nachher nöthig, denn dort und auf dem Wege ist nichts zu bekommen. Es kommt uns Alles zusammen sehr theuer, ich habe auch einen Wagentreiber, Wagenleiter, Ochsenanjager und noch jemand gemietet; aber sage mir nachher, ob ich es billiger oder anders hätte machen können.

Du wirst sagen, ob wir noch nicht in EbenEzer sind. Ach nein, es geht so schnell nicht. Du musst dir die Ochsen zum Vorbilde nehmen, wenn du Missionar in Namaqualande sein willst; die ziehen langsam ihre Strasse und verlassen sich auf den Führer, dass er sie zu rechter Zeit, und zwar an einem Orte, wo Wasser und Gras ist, ausspannen wird. Da sind sie auch gleich wieder zu Hause und kümmern sich nicht um die Zeit und die Zeitung.

Jetzt sind wir bald in Eben-Ezer. Der Weg war sandig und du klagtest hier schon über Langeweile und unangenehmes Fahren. Nun wie gut, dass die Noth des ganzen Lebens nicht mit einem Male über uns hereinbricht, sondern nur Tages-Plage. Lasst uns Gott danken an jedem Abende und zufrieden sein. Wir kommen ja immer weiter !

Vor uns ist Eben-Ezer. Bis hierher hat uns Gott gebracht, dass wirst du noch deutlicher erfahren, wenn alle Menschenhülfe aufhört. Die Schöne Kirche da in dem kahlen Thale hat Br. Samuel Hahn gebaut, auch die Windmühle dort oben am Berge. Da im Thale bei der Kirche stehen die

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Häuser der Missionare und dort die armen Hütten der Hottentotten.

Sie haben dieselben verlassen und liegen zu dieser Zeit mit ihren Mattenhütten in Felde bei ihrem Vieh. Der Missionar aber wird schon Rath schaffen, uns über den Elephantenfluss zu setzen, denn sie haben zwei Boote am Orte.

Haben wir uns nun selbst ausgeruht bei den l. (lieben/red.) Brüdern und uns wieder erquickt mit Brot und Speise, die Leib und Seele zusammenhält, so war es nur aus zarter Rücksicht auf unsre Ochsen, und ihre Ruhezeit bestimmte die unsrige. Jetzt, nach 10 oder 20 Tagen können wir dann weiter ziehen nach Komaggas. Wir wollen uns vorstellen, dass wir da sind, sonst dauert uns die Reise zu lange.

Wir gehen in die kleine Kirche zu Komaggas. Siehst du diese halbnackten, oder in Felle gewickelten, oder halb und ganz bekleideten Leute da mit den platten Nasen sitzen ? Das sind Namaquas oder Hottentotten. Es giebt auch Bastarde unter ihnen, aber sie haben alle dieselbe schmutzige gelbe Farbe, die auffallend ausstehenden Backenknocken, und das kurze, feingekrüllte, schwarze Haar (mit Ausnahme von einigen, die längeres haben).

Nicht wahr, es ist durchaus kein Negerstamm, sondern eher zu den weissen Leuten zu rechnen ? Sie singen schön. Die Namasprache ist curios, die muss man hören, um eine Idee davon zu bekommen.

Wie aufmerksam sind sie nicht ?! — Und es stört gar nicht, das der Missionar holländisch spricht und der Dollmetcher neben ihm jeden Satz in die Hottentotten-Sprache überträgt.

Die Hottentotten sind dumm, und

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die Pausen und Einfachheit des Vortrags dienlich.

Wenn nun die Kirche aus ist, werden sie alle singend hinaus und zu Hause ziehn. Sie singen auf der Strasse, aber nicht schmutzige Strassenlieder.

Wir wollen dann zum Missionar gehen, er hat diese lange Reihe von Lehmhäusern meist selbst gebaut. Es ist der alte rüstige Schmelen. Ich war ein ganzes Jahr bei ihm. Er wird uns Manches vom Gross-Namaqualande erzählen können, denn 30 Jahre vor mir war er zu Bethanien, und gab dem Ort den Namen, bauete selbst ein Haus, wälches ihm später abgebrannt wurde, blieb ein Paar Jahre da, zog durch’s Land, hatte sogar eine Namaqua sich zur Frau genommen und liess sich erst am Grossfluzz, dann zu Komaggas nieder.

Ich will dir hier doch einmal etwas von den Aposteln der Hottentotten erzählen. Der erste war Georg Schmidt aus der Brüdergemeine, geb. den 30 Septbr. 1709, heimgegangen am 2. Aug. 1785. Es forderte einen Glaubenshelden, wie er es war, zu einem solchen Werke, wenn man bedenkt, was die Hottentotten vor 100 Jahren waren, und was diejenigen, die in der Wildniss leben, heute noch sind.

Er selbst sagt in seinem Briefen, die er, als er sie näher kennen gelernt hatte, an die Gemeinen nach Europa schrieb : “Liebe Brüder und Schwestern ! Ihr könnt nicht glauben, was das für ein Volk ist. Wenn ich glaubte, dass der Heiland nicht alle Menschen selig haben wollte, so dachte ich : das sind die Leute; aber so glaube ich’s nicht”.

— Ihre Unreinlichkeit, Faulheit, ja, ihre thierischer Stumpfsinn waren zum Sprüchwort geworden. Nur die Not kann sie zu einiger Arbeit vermögen. Ihre Kleidung besteht aus

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Schafpelzen oder Tigerfellen. Ihre Hütten, die sie sich bauen, sehen aus wie ein Bienenkorb. Die Jagd ist, wie bei wilden Völkern insgemein, ihre Hauptbeschäftigung. Von Gott und göttlichen Dingen wissen sie so viel wie nichts. Im Monat Juni 1737 kam Schmidt nach einer in mancher Beziehung beschwerlichen Seereise nach dem Cap der guten Hoffnung. Merkwürdig und recht prophetisch war in diesen Tagen die Losung der Brüdergemeine : “Dies Volk habe ich mir zugerichtet; es soll meinem Ruhm erzählen” (Jes. 43, 21.).

Schmidt zog in die Gegend von Gnadenthal (15 Meilen vom Cap), legte einen Garten an und bemühte sich, ihre Sprache zu erlernen. “Sie haben 3 (eigentlich 4) verschiedene Zungenschläge, die konnte ich mich nachmachen (erzählt er), und sie lachten mich nur aus, wenn ich’s versuchte.

Daher besloss ich, die Leute Holländisch lesen zu lehren, was ich selber nicht einmal recht konnte. Afrika, der diese Sprache verstand, war mein Dolmetscher. Ich fragte ihn : Wisset ihr, dass droben im Himmel ein grosser Geist ist, der euch euer Vieh und Alles gegeben hat ?

Er sagte : “Ja, wir wissen es !” “Wie nennt ihr ihn denn ?” — Antwort : “Toiqua”. — Ich erwiderte : “Das ist der Seligmacher, und ich bin darum zu euch gekommen, euch denselben bekannt zu machen”.  Er antwortete : “Das ist gut, Baas !” (Meister).

— Im Jahr 1742 erhielt er eine schriftliche Ordination und machte bald Gebrauch davon bei (Wilhelm) Joshua, Afrika, Kibeda und 2 Hottentottinnen. Damit ging aber auch die Verfolgung von Seiten der holländischen Bevölkerung los, die es im Jahr 1744 so weit brachte, dass sie

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einen Beschluss bei der Regierung auswirkte, wodurch ihm alle Taufe verboten wurde.

Mit schwerem Herzen kehrte er nach Europa zurück. Es war die Zeit des Untergangs. Das Waizenkorn sollte jetzt in Erde fallen und ersterben (Joh. 12,24.), um beinahe ein halbes Jahrhundert hernach wieder aufzuerstehen und die rechte und reiche Frucht zu bringen.

Im Jahr 1792 kamen die Brüder Marsveld, Schwinn und Kuhnel nach Baviaanskloof (Gnadenthal seit 1806). Sie fanden noch die Ueberbleibsel der Mauer in seiner Wohnung nebst verschiedenen Bäumen, die er gepflanzt hatte. Lena, die von Schmidt getaufte Hottentottin, lebte noch. Bei der Ankunft der drei Brüder entstand bald eine allgemeine Erweckung. Gottes Geist selbst hatte auf wunderbare Weise ihnen vorgearbeitet und die Herzen zebereitet. Weit und breit ging die Rede unter dem Volk : Gott habe Männer an sie gesandt, un ihnen zu sagen, wie sie selig werden können, und wer es versäume, der habe grosse Strafe von ihn zu erwarten. Sie sammelten sich zu ihnen.

Ehre, dem Ehre gebührt : die Brüdergemeine hat 15 Meilen von der Capstadt begonnen. Aber wiederum Ehre, dem Ehre gebührt : die Londoner Missions-Gesellschaft hat später etwa 115 meilen weiter nach Norden, zu Bethanien, in Jahr 1814 das Werk unter den Hottentotten begonnen (denn diese wussten nichts von Joseph und seinen Thaten), und nich Schmidt, sondern Schmelen ist ihr Apostel.

Auch Gebrüder Albrechts und Helm sind am Grossfluss bekannt. Der Gang ist aber fast derselbe dort

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gewesen, wie bei Br. Schmidt. Auch er pflanzte dort nur 2 Jahre etwa, und musste er brach liegen lassen 30 Jahre lang. Nur die Ruinen seines Hauses standen zu Bethanien, als ich 1842 den 3. Nov. hinkam.

Weit und breit ging wieder die Rede, und sie sammelten sich wieder. Die Brüder-Losung zu diesem letzten Anfang (24. Mai 1841) war Hagg. 1,8. “Saget er zu unserm Werk nur sein Ja und Amen, so geht unser Bauwerk fort in des Bauherrn Namen”.

Dort hiess er oft : “Durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein”. Zum grossen Ruhm für dieses Volk gereicht auch das, dass sehnliche Gebete für das Heil desselben schon um’s Jahr 1800 vom Ahnherrn der Rheinischen Missions-Gesellschaft aufstiegen. Ja, er will gebeten sein ! Dann gesungen :

“Was der alten Väter Schaar

Höchster Wunsch und Sehnen war,

Und was sie geprophezeit,

Ist erfüllt in Herrlichkeit”.

Schmelen kann uns auch erzählen, wie dumm die Namaquas sind. Von der Sonne sagten sie : “Die besteht aus lauter Speck” u.s.w; von Monde : “Er stirbt und wird wieder lebendig” u.s.w.

Als er mit seinem Wagen durchgezogen war, wagten es die Leute nicht, auf die im Sande nachgelassenen Spuren der Räder zu treten, sondern setzten im vollen Lauf und mit einem tüchtigen Satz hinüber an die andere Seite des Weges.

Auch bekam er eines Tages Bescheid, dass er nach seinem grossen Ochsen (dem Wagen) sehen möchte, denn “er bleibt an demselben Orte stehen, frisst nicht und hat ein Bein (ein Rad) gebrochen”.

Andere fragten ihn, an welchen Bäumen solche Räder wachsen u.s.w.

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Jetzt haben wir wieder eine Reise von Eben-Ezer nach Komaggas von etwa 2 Wochen gemacht, haben einige Wochen geruht, haben neue oder die alten Ochsen, neue oder die alten Führer und Begleiter; — aber gewiss ist es, dass wir neue Schwierigkeiten vor uns haben, denn wir verlassen mit Komaggas zugleich die englische Colonie und somit Weg und Leute und Alles.

Bis jetzt fanden wir doch hier und da einzelnlebenden Bauern u.s.w. Das hört jetzt auf. Gewöhnlich bleibt man nicht weit von Komaggas im Sande stecken. Ausweichen kann man nicht, über diese Sandhügel müssen wir hin, aber wie ?

Die Vorderräder bohren sich in den Sand fest, man gräbt den Sand zwar weg, man legt Büsche und Steine und Holz – wenn etwas zu haben ist in dieser Sandwelt – zwar darunter, aber es hilft nicht immer. Man spannt die Hinterochsen nach vorne, die Vorderochsen nach hinten – denn zuweilen hilft es und sie ziehen besser — aber nicht immer hilft es.

Man spannt dann 26-28 Ochsen ein; es hilft nicht, sondern die lange Reihe von Ochsen zieht den Führer mit sich  auf die Seite und sie kommen über das Tau und müssen wieder ein- und ausgespannt werden.

Wohl gar kehren die Hinterochsen auf die Seite aus und siehe da, der Deichselbaum gebrochen !

Das Vordergestell stand fest im Sande und konnte sich mit dem Baum nicht drehen. Nun schaffe Rat ! Hülfe ist nicht zu suchen, du musst selbst Alles sein. Ist es in Ordnung wieder, dann jage die Ochsen und schlage und schreie, und rufe von dem andern Wagen die Leute herbei (wenn du nicht allein bist), und wenn das auch nicht hilft, und wenn du keinen Rath mehr

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weisst, dann thue, wie wir, und sage : herr Gott, erbarme du dich unser und unsrer Ochsen ! Wir sind oft erhört worden.

Kommst du aus dieser Sandnoth, dann kann die liebe Steinnoth drauf folgen, und du hüptest mit deinem plumpen Wagen von einem Stein oder Felsen auf den andern, dass die Hören und Sehen vergeht, wenn du im Wagen zu bleiben gedenkst.

Es kann wohl Tage lang dauern, dass du so hüpfen musst, und beten kann man immer, denn es heisst :  Beten ohne Unterlass. Ein Wunder, wirst du bei jedem Schritte denken, dass der Wagen nicht hier zu Stücken ging !

Nun kommst du auch in Wassernoth. Der Gross- oder Oranjefluss ist oft so breit, wie der Rhein bei Düsseldorf. Man kann es nich vorher wissen, ob viel oder wenig Wasser darin ist, weil es vom Regen und verschiedenen Jahreszeiten im Innern abhängt.

Sind die Flusshottentotten da in der Nähe, so werden sie dir behilflich sein können, wo nicht, so musst du Spuren von Menschen oder Tiere aufsuchen, und dich durch diese nach ihren Hütten hinzuführen lassen. Findest du sie nicht, oder wohnen sie auf der andern Seite irgendwo, denn sie haben keine bleibende Stadt, so musst du selbst Bäume in Grossfluss fällen, dir Flösse machen oder ein Boot bauen, und Stück für Stück hinübersetzen, auch den Wagen auseinandernehmen und stückweise hinübersetzen, die Ochsen los hinüber treiben und jagen, und auf der andern Seite Alles wieder zusammensetzen und schnell wegfahren, damit nicht vielleicht ein neuer Strom Wassers herabkommt und treibt dich mitsamt deinem Wagen und Stücken mit

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sich in die grosse See, was wohl auch geschehen ist.

Es möchte dir vielleicht nicht gehen bei solchem Fall, wie es dem Buschmann ging, der durch Hülfe eines Weisenstammes hinübersetzen wollte, aber von solchem Strom angefallen und mitgetrieben wurde.

Der hatte einen kleinen Sack mit Honig auf dem Rücken, und als er zu grossen Hunger bekam, ass er aus dem Honigfack, und trank Wasser aus dem Fluss; er kam nach mehreren Tagen endlich an’s Land, und hatte eine schnelle und nasse Reise nach einem unbekannten Lande gegen Wunsch und Willen vollbracht.

Wir ziehen vom Grossfluss, sehen zurück und beugen uns, indem wir unsern Herzen Luft machen mit dem Stoss-seufser und den Worten : “In wie viel Noth hat nicht der gnädige Gott über dich Flüger gebreitet !”

Je näher zum Ziehle, je langsamer ziehe — gegen gewöhnliche Ordnung, denke daran, was der 70 Jahre alte, landeserfahrne Br. Schmelen zum Abschied sagte : “Ziehet langsam, als wolltet ihr nie nach Bethanien kommen, dann werdet ihr vielleicht hinkommen, sonst bleibt ihr gewiss mit euren erschöpften Ochsen stecken und werdet nicht hin kommen“.

Wir haben eine Reise von etwa 3 Wochen vor uns bis nach Bethanien, aber jetzt erst fängt die Namaquawüste recht an, in die ich dich hineinführen will.

Im Allgemeinen können wir von der Strecke, durch welche wir kamen, sagen, dass südlich vom Oranjefluss kein Baum zu finden war, ausgenommen was angepflanzt war. Im Elephanten-Flusse standen auch nur Dornsträucher. Die Blumen nahmen nach dem Norden zu ab, die Erde war

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sandig oder steinig und hart, und die Berge verschiedener Art, nicht tafelähnlich, wiewohl alleinstehend.

Das Ende des Weges bis Grossfluss war stark sandig, das Ufer des Flusses hoch und hohe Berge. Hier teilt sich nun aber das Land; hier beginnen die eigentlichen Dornbäume, Mimosen, Acatien, auch Weiden- und Ebenholz u.s.w.

Im süden vom Flusse konnte man allerlei anbauen, weil sie dort Winter- und Regenzeit, Juni, Juli, August, und Spatregen darnach bekommen. Wir aber in Namaqualande (ein schmaler Streifen der Küste entlang ausgenommen) haben Winterzeit, aber keinen Regen-Segen und bekommen nur in die heissesten Monaten, vom December bis Juni, spärliche Gewitterregen, , und was wir uns bauen, wird verbrannt.

Das macht die auffallende Scheidung in der Vegetation. Wenn wir also von der Capstadt nach Bethanien ziehen wollen, so müssen wir suchen in dem Monat September von der Capstadt durch die Colonie zu kommen, dann haben wir junges Gras auf dem Wege und Frühjahr, und wenn wir den Oranjefluss passiren, haben wir den Herbst, was das Gras betrifft; sonst brennende Hitze.

Besser zu spät als zu früh durch Namaqualand reisen. Ist übringens Jemand durch die Capcolonie hindurch, dann kommt er vielleicht zu jeder Zeit durch das trockne Namaqualand, wenn er’s wagt. Er kommt das eine wie das andere Mal wie durch Wunder dahin.

Beim Oranje-flusse fangen also die eigentlichen Dornbäume an. Man geht da nicht auf Rosen. Sogar das Gras im Grossfluss hat Dornen, und unser Gras ist trocken, gelb oder grau, aber fest und

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bleibt wohl 2 Jahre stehen.

Di siehst es vielleicht nicht und wunderst dich an verschiedenen Orten, dass Heerden weiden ohne Wiese und Weide.

Als wir nicht weit, ein Drittel des Wegs nach Bethanien, 10-12 geogr. Meilen nördlich vom Grossfluss, waren, ging es plötzlich und kurze Zeit in die Höhe, und das Land wurde wieder eben, und zuletzt wieder sandig.

Es theilten sich die Berge in drei Arten; das erste Drittheil fette Berge, wie in der Colonie, nicht so hoch und geschlossen, wie im Grossfluss, sondern isolirter stehend und ohne Hügel am Fusse, und die Ebene schloss sich an den Berg an, wie die See an einen Felsen; dann der mittlere Theil niedrigere, abgeschnittene und noch kahlere, steife Tafelberge. Setze ein Buch vor dich hin mit dem Rücken nach oben, dann hast du unsere Berge.

Dann lösen sich diese Schieferfelsen im dritten Theile, wo wir immer die lange Ebene zu allen Seiten hindurch sehen, in Spitzen auf, und verschwinden ganz im Sande.

Und eine neue Tafel-Bergreihe, in etwas schönere Form, begann bei Bethanien.

Zwischen dieser Reihe zur Rechten und einer andern Reihe von verschiedener Form, zur Linken reist man nach dem mehr hochländischen und hochbergigen Damra- oder Omoherero-Lande, wo die brennend heissen Quellen und dennoch die Leute so schrecklich schmutzig sind, da sie sich gar nicht waschen, auch die Milchgefässe nicht, sonst verlieren sie die Milch, meinen sie.

Lass dich aber nicht irre leiten von den Flüssen auf der Karte. Das sind keine Flüsse, bei Bethanien sowohl, als im Osten, Westen und Norden davon. Das sind nur Regenbetten, wo der Regen von den höheren Orten abfliesst in den Grossfluss oder in die See,

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und bald wieder trocknet. In diesen findest du lange Reihen von Dornbäumen.

Stehst du aber mitten in einem solchen Fluss drinnen, so erscheint dir natürlich die lange Reihe wie ein Wald. Da hausen die wilden Thiere, die bei Nachts auf Raub ausgehen, Löwen, Hyänen, Tiger, Leoparden, Schakal und dergleichen, auch Schlangen, Scorpionen, giftige Spinnen und Buschläuse u.s.w.

Sie sind oft meine nächsten Nachbarn gewesen, wenn ich vom Ochsen oder Pferde stieg, und unter freiem Himmel übernachten musste, aber haben mich bis jetzt nicht gestört. Nur ein Rhinozeros hat mich einmal gewaltig in Schrecken gejagt.

Nachdem wir gesungen haben :

“Ein feste Burg ist unser Gott, Ein gute Wehr und Waffe;

Er half uns frei aus aller Noth u.s.w.”,

lass mich dir

II. die Namaqua,

deren Lebensweise und Beschäftigung, bürgerliche Einrichtung und Hauswesen, geistige Stumpfheit, Religion und Sprache vorführen.

Unter Namaquas verstehen wir Hottentotten. Letzter Name stammt von den Holländern her; ich weiss nicht, was er bedeutet. Darunter verstehen wir im weitern Sinn : Buschmänner (San), Namaquas (Naman), Korannas (‘Goran), Orlams, Holländischsprecher (Manathan), Junkers Stamm, Zwartbois Stamm, Feldshoedragers, Top-Natie, rote Natie etc.,etc, auch zum Theil das Bastardvolk.

Selbst nennen sie sich nicht Hottentotten, sondern

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Khoi-Khoin, d.h. Mensch der Menschen, oder Freund der Freunde.

Ausgeschlossen und als schwarze und deshalb verachtete Leute gerechnet sind die Vieh-damras, Bergdamras (ein solcher Stamm von 2 bis 300 wohnt nördlich von Bethanien) und Kaffern.

Namaqualand ist eingetheilt in Klein-Namaqualand, im Süden vom Grossfluss, weil es von kleinem Umfang ist, und Gross-Namaqualand, im Norden bis zu den Damras und Ovahereros.

Die Khoi-Khoin aber, oder Hottentotten, wohnen den ganzen Grossfluss entlang und zu beiden Seiten bis nach Griqualand, und nomadisiren, sind bald hier, bald da. Ihre Zahl ist nicht anzugeben; es mögen 17,000, es mögen 70, 000 sein und noch mehr; denn auch im Norden von den Ovahereros sollen wieder Namaquas sein, wie mir Hugo Hahn in Neu-Barmen versichert.

Nach Moffat sollen sie in Aegypten anzutreffen sein und nach meinem Dafürhalten stammen sie von Kanaan her. Mein Kirchsprengel was so gross, wie das Königreich Baiern oder 24° bis 28° südl.Br., 15° bis 18° östlich Länge, v. Greenw., aber schlecht bevölkert, und ist das elendeste Land in der Welt.

Wir sahen diese plattnasigen, schmutzigen, gelben Köpfe mit dem krülligten Haar schon in Komaggas. Hier zu Bethanien aber fand ich unter den Frauen, als ich kam, nur eine, die gekleidet war mit einem Fellrock, die heisst jetzt Martha, Paul Bantams Frau, eine von den 4 Erstlingen, die reinlichste zu Bethanien.

Die übrigen gingen nach Namaqua-Sitte mit einem Hand breiten Fell vorn und einem etwas breitern hinten.

Die Männer, die nicht lederne Hosen trugen und kurze Jacken mit breitkrämpigen

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Hüten und selbstgemachten fellschuhen, wie es jetzt mehr Mode wird, trugen nur vorn ein Haariges, Hand beites Fell, und Hinten ein zweistreifiges, etwas eine Spanne langes, wie dieses (en omvendt T/red.), oben am Leibgürtel oder Riemen befestigt.

Die es haben können, werden dafür sorgen, dass sie eine von 2 bis 12 Fellen zusammengenähte Wolldecke bekommen.

Die Abwechslung, besonders in der kalten Zeit, ist gross, und diese Decke ist ihr Tag- und Nachtkleid, Bett und Eins und Alles (ett og alt/red.).

Ich habe Eis zu Bethanien gefunden, und warme Kleider für sie wären besser, als zu dünne.  — Die Buschmänner in meinem Lande leben ohne Haus. setzen sich bei einem Wasser nieder unter einem Busch. Des Morgens gehen sie mit ihren Stöcken in’s Feld und graben nach Wurzeln. Diese sind weder nahrhaft noch schmackhaft. Die Männer schiessen mit Bogen und vergifteten Pfeilen (die Namaquas mit Feuergewehren).

Sie gehen auf die Jagd, machen Milchgefässe und Kleinigkeiten; die Frauen melken, bereiten Felle und tragen ihre Kinder in einem Fell auf dem Rücken. Mit einem Strausenfell auf den Schultern und den Hals des Vogels in der Hand, nähert sich der Buschmann weidend den Straussen, oder Zebras, Giraffen, Gnus, Kudus, allerlei Antilopen, Rhinozerossen, Elephanten etc. (Letzte 2 Arten sind jetzt nur im Norden des Namaqualandes. Alle diese Tiere sind Freunde; wie auch der Löwe der Hyäne nights anhat, so lange sie ihn nicht grade (gerade/red.) beim Essen stört; wenn das, dann beisst er ihr alle 4 Knocken ab und lässt sie liegen).

Nach der Jagd kehren sie wieder zu der Quelle zurück und haben ihr Tagewerk vollbracht. Das vergiftete Fleisch

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schadet ihnen nicht, so weit ich habe merken können.

— Die Namaquas stehen eine kleine Stufe höher, als die Buschmänner und haben, wie die übrigen Khoi-Khoin, Hütten, die sie mit sich auf Ochsen nehmen. In einer halbe Stunde lösen sie sie auf und eben so schnell sind sie wieder gebaut.

Heute kann eine Stadt von 30 Häusern stehen, morgen aber ist sie ganze Stadt vielleicht weg. Von Finger dicken Stäben wird die Hütte wie eine Kuppel oder Bienenkorb gebildet oder wie ein rundes Brod (Brot/red.). Die Spitzen der Stäbe werden in die Erde eingeschoben, und je 2 bilden, oben an einander gebunden, einen Bogen. Matten, die nicht geflochten, sondern an einander gereiht sind, werden an die Stäbe befestigt, und eine Thür-Oeffnung gelassen, durch welche man sehr gebückt, und sich auf die Seite schiebend, hineinkriechen muss.

Die Matten, 6 bis 8 und mehr Ellen (alen = 62,75 cm/red.) lang, werden von rohrähnlichem, eine Elle oder mehr langem Grase, welches in den Regenflüssen gefunden wird, von den Frauen verfertigt.

Der Bindfaden, den sie durch das Stroh mit Hülfe einer hölzernen, Tischmesser ähnlichen Nadel an mehrern Stellen stechen, und so Stroh an Stroh reihen, bereiten sie von Bast der Dornbäume durch Kauen und Drehen mit den Fingern auf den Knieen.

Das Haus ist von Mannes Höhe, Wenn’s eines Königs oder Häuptlings Hütte ist, kann man, in der Mitte stehend, den Arm in die Höhe strecken und überall de Wände berühren, wenn man mit ausgestreckten Armen sich umdreht. Unten wird es etwas weiter.

In dieser Hütte wohnt die ganze Familie von 4, 8 bis 12 Personen. Des Nachts schlafen sie mit den Köpfen nach den Wanden, die Füsse

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nach der Mitte hin, oder wie sie können. Die Thür ist gewöhnlich nach Osten. Sie haben keinen Tisch oder Stühle, essen, sitzen und schlafen auf der Erde (auf Fellen gewöhnlich).

Hätte Luther in solch einer Hütte gewohnt, dann hätte er auch Tisch und Stuhl zum täglichen Brod gerechnet. Schmutzig und voller Ungeziefer (utøy/red.) sind sie, wiewohl sie halb nackt gehen. Ich fand einen unter ihnen, der etwa 30 Jahre alt war, und er hatte sich 3 Mal gewaschen in seinem Leben. Andere waschen sich mehr, andere weniger, d.h. gar nicht.

Ich merke dir’s aber an, lieber Freund, du hast schon den Kopf voll Verbesserungen.

Lass uns aber die Sachen erst näher kennen lernen. Du bist jetzt kaum in Namaqualande; bleibe wenigstens ein Jahr da, sonst wirst du, wenn nicht eben so dumme Sachen, wie die Franzosen, so doch manches so verkehrt wie ich machen.

Z.B. es stand mir nicht an, dass die Thüröffnung so enge war, dir auch vielleicht nicht. Du setzest die 2 Pfähle weiter aus einander, und schöbest die Matten in die Höhe. Was thust du aber, wenn auch dir eine Windhose (skypumpe/red.) heran gejagt kommt (der Wind beginnt jeden Nachmittag etwas 2 Uhr zu wehen, was wohl tut in der grossen Hitze) und vor sich der Sand und Staub in grossen Säulen wirbelt, und dir durch die hohe schöne Thüröffnung hineinmarschirt ?

Dann wird auch dein Haus in die Höhe fliegen und du, wie ich, ganz nass werden und deine Bücher verdorben werden, wenn gerade ein Gewitter (skur/red.) damit verbunden ist, wie das Fall war, als mein Haus in die höhe flog.

Ich liess meine Thüröffnung wieder so enge machen, wie sie früher was.

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— Ebenso ging es mir mit den Verbesserungen im Hause. Ich wollte höher sitzen, höher liegen; aber sa plagte mich der aufsteigende Rauch, der sich durch die Matten hindurcharbeitete. Wir haben nämlich des Abends immer Feuer, Lichter werden leicht ausgelöscht (utslokket/red.) oder verbrennen zu schnell darin.

Liegt man nun, wie die Namaquas, auf dem Boden, dann stötzt man sich nirgends den Kopf und wird weder von Hitze noch vom Rauch so gestört, wie sonst. Man sieth dann auch ein, dass die Fenster unten am Boden richtig angebracht sind. Diese bestehen aus einer Matte, die durchsichtig und offen gereiht ist und losgelassen werden kann, so lange der Wind nicht weht.

Denke nicht an Verbesserung  mit Holzthür, Schornstein etc. Das geht nicht. Hier muss man mit Heu, Stroh und Stoppeln (stubber/red.) bauen. Man muss vorlieb nehmen (forholdregler/red.), wenn Kälber und Ziegen die Wände abnagen und die Hunde des Nachts plagen.

Die erübrigte (tiloversblevne/red.) Speise schiebt man zwischen die Matten etc. und das Fleisch wird oben aufs Haus geworfen, oder auf einen Baum aufgehängt. Ist der Wind des Nachts stark gewesen, so suche Alles auf dem Boden; wenn es aber nicht gefunden wird, so haben die Hunde es gefressen.

Diese werden, wie der alte Schmelen sagte, von den Namaquas mit Schlägen gefüttert (foret med slag og spark/red.).

Aus dem Material, das da vorhanden ist, wirst du übrigens nicht ein besseres und zur Behausung eines solchen Volkes geeigneteres Haus zusammenstellen. Es ist ein wahres Maisterstück, das seines Gleichen sucht, vielleicht in der ganzen Welt.

Auch die holländischen Bauern in der Colonie, die in der Winterzeit von ihren Plätzen ziehen müssen, haben das anerkannt und haben nichts Geeigneteres aufbringen

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können als Namaqua-Hütten, wiewohl sie die Hottentotten nicht lieben.

Ich kann Euch versichern, dass ich viele Verbesserungen ausgedacht und ins Werk gesetzt habe, für Ackerbau, Häuserbau, Bekleidung mit Fellen etc. Vieles Getan habe; aber, aber, es geht nicht immer, wie man denkt, und nicht Alles ist Verbesserung unter andern Verhältnissen, was unter unsern Verhältnissen Verbesserungen sind.

Ein Narr kann mehr in einer Stunde durch Verbesserungen schaden, als ein kluger Mann in hundert Jahren aufbauen kann. Richtet nicht schnell, erst gründlich untersuchen, durchschauen nach allen Richtungen.

Sei schnell zu hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn, und haltet euch nicht selbst (über Andre, nicht einmal über Hottentotten) für klug, sondern bedenkt recht gründlich 1. Cor. 3, 18-21, und den Satz, das der Mensch und Alles, was lebt, nicht von Geld, sondern von der Erde und von Gottes Gnade lebt, auf dass ihr nicht vergehet mit den Franzosen und der gottlosen Welt, die beschrieben steht 2. Tim. 3.

Was ihre bürgerliche Einrichtung etc. angeht, so hat jeder Stamm seinen bestimmten Häuptling, der in erblicher männlicher Linie fortbesteht.

Er ist selbst der Staat; und für seine Mühe bekommt er, entweder als Ehrenlohn oder als Abgabe, das beste Stück Fleisch (Kreuzstück). Wer eine Klage hat, der kommt zu ihm. Er bestimmt, wo sie hinziehen sollen oder dürfen.

Wir bestanden zu Bethanien aus mehreren Stämmen ohne bestimmten Häuptling, und setzten deshalb einen König ein.

— Der Mann nimmt sich erst eine Frau, die die alte bald genannt wird; darauf eine oder zwei oder mehr

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junge Frauen. Was für liebenswürdige Eintracht (enighet/red.) in solchen Häusern herrschen muss, kann man sich denken, auch welche Schweinerei aller Art.

Ein Buschmann trat seine junge Frau zu Tode, als sie mit einander stritten. Eltern lobten ihre Kinder, wenn dieselben stark genug waren, sie durchprügeln und also auch sich mit wilden Thieren in Streit zu wagen.

Kinder setzten ihre Eltern zurück, wenn sie sich nicht mehr selbst ihre Speise suchen konnten. Sie gaben ihnen dann etwas Fleisch, Wasser in einer Strausseneischale, legten einige Büsche um sie herum — und liessen sie so ihrem Schicksal über : Verhungern oder von wilden Thiere gefressen werden !

Jeder Stamm lebte in frühern Zeiten mit den andern im Unfrieden und bildeten alle eine Räuberbande. Ich sahe 1844 eine Damrafrau, der die Hand abgehauen war und deren Ohren in Fetzen hingen. Die Namaquas meinten, sie könnten die eisernen und kupfernen Arm- und Ohrenringe nicht schneller ablösen, als auf diese Weise.

Aber die Buschmann-Frauen sind selbst so grausam, dass sie, um Glück zu haben, sich das letzte Glied am kleinen Finger absetzen (das Unterbinden verstehen sie). — Mit ihrem Stumpfsinn geht es über alle Begriffe.

Ein Hottentot kann in der Regel nicht zu 7 zählen. Der Gelehrteste zählt zu 20, wo die Sprache aufhört, denn von 10 wird wieder “ein un” bis “neun und” und “zwei zehn” nach alter Weise gezählt; jetzt zählen wir 10 und ein, 20 und 1, 30 und 1 etc.

Fragst du, wie alt er sei, so versteht er solche Redensart nicht.

Wir haben jetzt Lauftag (auf die Jagd), Bleibetag, Fusswaschtag, Abendmalstag,

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Erlösungstag, Ausfegetag (= feie/koste/red.)(weil die Kirche gereinigt wird), Auferstehungstag (Sonntag) gebildet.

Er lebt ohne Zeit, in einer Art von Ewigkeit.

Er rechnet höchstens nach einigen Neumonden vor – oder rückwärts, oder nach gewaltigen Ereignissen. Weil er sanguinisch-pflegmatisch ist, spricht er etwa so : Jetzt muss es geschehen; kann es jetzt nicht geschehen, dann einerlei, ob es erst nach Jahren geschieht.

Er denkt nicht. Bringt er dich in die grösster Noth, so denke du nicht, dass er Bosheit sei, sondern nut Dummheit. Aergere dich nicht, vurwundere dich nur, auch wenn sie vergessen, Wasser zu schöpfen, und sich und dich in tausenderlei Nöthen einführen.

Mein Aeltester, bester Dolmetscher, geschicktester Wagenführer, steuerte mir meinen Wagen auf einen einzeln stehenden Baum, und rings herum war schöne dürre Weide. Der Wagen wurde beschädigt und er selbst konnte unglücklich geworden sein. Ich musste schweigen, und lieber rauchen als schimpfen.

Ein Wegweiser brachte uns in die grösste Noth und behauptete (påstod/red.), man habe ihn nicht gefragt, wie es auf dem Weg aussähe, sondern, ob er den Weg wüsste etc.

Die holländ. Bauern hielten sie für Affen, das sind sie aber nicht. Weil sie es aber nur mit ihrem kahlen (golde/(red.) Lande und den wilden Thieren zu thun haben, so ist es kein Wunder, wenn besonders die Buschmänner, die ohne Heerden und Hütten leben, scheu und flüchtig aussehen.

Feig sind sie in der Regel alle, nur nicht auf der Jagd.  Im Jahr 1845 war einer zu Rehoboth, der vom Löwen umarmt und niedergeworfen wurde. Ein Anderer suchte den Löwen wegzuschiesse, und als dieser sich aufrichtete, um auf jenen loszuspringen, liess ihn der Mann,

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in dessen Arme er lag, los, griff sein Gewehr und schoss ihn selbst über sich tot. Der arme Mann hatte freilich Malzeichen am Leibe; aber tapfer war er doch.

Was ihre Religion betrifft, so möchte ich sagen, dass sie weder Gottes- noch Götchendienst haben. Sie sind erlösungsfähig und liegen unter dem Fluch (forbannelse/red.), der ausgesprochen wurde über die Uebertreter des Gesetzes 1. Mos. 3,17.

Um die Hände und Füsse tragen sie allerlei kleine Hörner und Klauen etc., um Glück zu haben, aber sie beten es nicht an.

Sie haben Zauberer, die vergeblich die Krankheit mit der Faust aus dem Leibe herausgreifen, damit weglaufen, sie in die Erde begraben und hauchend und blasend in alle Richtungen hin- und herrennen, wie wenn sie toll und rasend wären. Wenn sie dann Gesichte haben, so sehen sie gewöhnlich ein fettes Schlachtvieh, das nur von ihnen gegessen werden darf.

Mit den Giftärtzen hat es ein andres Bewandtnis (formål/red.). Diese nehmen immer grössere Portionen von animalischem Gifte ein und lassen sich von Scorpionen etc. stecken, und ihre Kleider, besonders Mützen, werden als Gegengift gebraucht, wenn Jemand von Schlangen etc. gebissen wird. (Die Mütze wird ausgewaschen und das Wasser getrunken. Die Einwohner der Colonie schaffen sich solche Mützen für diesen Zweck an).

Sie haben mehrere Fabeln, die sie jetzt kaum verstehen. Von wo sie herstammen, weiss ich nicht. Z.B. eine von Löwen und Schakal, die auf die Jagd gingen, darin viel Schlauheit liegt, und ihren Verhältnissen eigen ist. Eine zweite trägt Spuren von Religiösem : Der Mond stirbt und wird wieder lebendig : Der Mond sagte zum Hasen (haren/red.) :

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“Gehe zu den Menschen und sage ihnen : “Wie ich sterbe und wieder lebendig werde, so sollt ihr auch sterben und wieder lebendig werden””.

Der Hase ging zu den Menschen und sagte : “Wie ich sterbe und und nicht lebendig werde, so sollt ihr auch sterben und nicht wieder lebendig werden”. Als er zurückkam, fragte der Mond : “Wie hast du gesagt ?” — Ich habe gesagt : Wie ich sterbe und nicht wieder lebendig werde, so sollt ihr auch sterben und nicht wieder lebendig werden”.

— “Was ?” sagte der Mond, “das hast du gesagt ?” Und er nahm einen Stock und schlug ihm auf den Mund. Der Mund spaltete sich, der Hase floh und flieht noch. “Wir sind jetzt böse auf den Hasen”, sagte die alten Namaquas, “weil er solche schlechte Botschaft gebracht hat, und wollen sein Fleisch nicht essen”.

Unter den Namaquas hört man noch von einem gewissen Heizi-Eibib. Dieser soll gestorben, begraben und wieder auferstanden sein. Im ganzen Lande sieht man seine Steinhaufen oder Gräber. Ueberall soll er begraben liegen. Die Alten warfen einen Stein oder Busch auf den Haufen und sagten : “Heizi-Eibib, hilf mir !” oder : “Das gebe ich dir; gib du mir nun Glück, Wild” etc.

Die Historie löst sich auf in allerlei Schmutz : Er habe eine Frau und mehrere Kinder mit sehr schmutzigen Nasen gehabt etc.

Ist auch diese Geschichte ein Strahl von dem Lichte, das in die Finsternis schien, gewesen, so ist sie es jetzt nicht mehr, und die Finsternis hat es nicht begriffen. Jetzt lässt sich keine Parallel zwischen diesem Unheiligen und dem Heiligen ziehen, von dem David sprach : Du wirst ihn die Verwesung (forfall/red.) nicht sehen lassen.

Von ihrer Sprache kann ich hier nicht viel

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sagen. Die Schnalztöne werden mit der Zunge geschlagen. Es gibt vier. Der erste nach oben, wie eine Peitschenknall, der zweite ebenso, wie der Knall eines Pfropfens (propp/red.), der aus der Flasche gezogen wird. Der dritte wird zur Seite im Munde gebildet, wie man Pferde anmuthigt; der vierte gegen die Zähne, der Interjection (utrop/red.) beim Verdruss (ergrelse/red.) oder bei Störung (forstyrrelse/red.) ähnlich.

Die Hottentotten- oder Namaquasprache enthält eine Masse fast gleichlautender Worte, die sehr verschieden von Bedeutung sind, z. B. ou (höhere, tiefere oder mittlere Betonung), dann ou mit  Schnalz-tönen und rein, dann ou durch .ie Nase, endlich ou länger oder kürzer ausgesprochen.

Wir unterscheiden es in der Orthographie also : óu òu ou, ‘ou `ou ˙:ou,↓’ou ↓´ou ↓:ou, ‘aau, ˙au,˙ou˙oou etc., aber s´die Aussprache ist fast dieselbe, und die Bedeutung so verschieden, wie Blut, Schlange, Mehlthau, sich furchten, schiessen, warten etc.

Sie unterscheiden sowohl bei Menschen als bei Thieren Personen nicht allein in Singul. und Plur. die erste, zweite und dritte, sondern auch ob ich im Plur. nur Männer und alle, oder einige ausschliesse, die nicht dasselbe, wie ich, vorhaben, sind etc.; ebenso mit Femin. und Communis.

Auch, ob ich zwei Männer, oder zwei Frauen, oder dual Communis meine, muss bestimmt werden.

Wenn ich deshalb in der Hottentotten-Sprache “wir” sage, so muss ich 12 “wir” genau unterscheiden. Die Betonung geschieht durch Umsetzung des Satses und so haben wir 24 Arten von “wir”, von “ihr” und “sie” die Hälfte.

Buch oder Buchstaben kennen sie nicht. Lieber haben sie früher nicht gesungen, sondern nur geschrieen. Jetzt singen viele und lesen einige von ihnen.

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— Wer die Schnalztöne weghaben will, der will einen Unsinn, wie statt : “Wir sollen gehen”, ir ollen ehen.

Wer sie ausrotten will, der kennt seine Schwäche und die Macht der Gewohnheit nicht; der versuche es lieber erst mit der Ausrettung der plattdeutschen Sprache. — Das ist Namaqualand !

Ein wildes, wüstes Land und Volk ! wirst du sagen.

Hier steht aber der arme Missionar. Er muss vergessen, von wo er kam. So einsam stande ich 5 lange Jahre. Das arme zerstückelte Land steht einen fast mit höhnenden Augen an.

Der Fluch (forbannelse/red.) : “Verflucht sei die Erde um deinetwillen, Mensch !” liegt so offen und grell dar; ist nicht mit Rosen und Blumen bedeckt und geschmückt. Siehst du das Volk an, welch’ eine Kluft ist dann nicht zwischen dir und ihm ! Wie sollst du dich ihn nähern ? Deine Ideen verstehen sie nicht; dein Land kennen sie nicht; dass du etwas entbehrst, fühlen sie nicht; was du willst, begreifen sie nicht.

Nun drückt dich noch die Hitze nieder nach Geist, Seele und Leib. Da sei Missionar !

— Aber versage (svikt/red.) nicht, “die Wüste wird blühen”, “ich will freundlich mit dir reden”, sagt der Herr.

“Unversagt und ohne Grauen (gru/red.) ,

Muss ein Christ, wo er ist,

Steht sich lassen schauen”.

Aber ehe wir an die schwere Arbeit gehen, können wir noch aus dem 146. Psalm singen : “Er, der Herr ist’s, der Hungrigen speiset. Der Herr löset die Gefangenen. Der Herr macht die Blinden sehend. Der Herr richtet auf, die niedergeschlagen sind”.

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Er ist Herr und Gott und König,

Er regieret ewiglich. Lieber, sei ihm unterthänig,

Freue mit den Kindern dich;

Ja, so lang ich leb und bin,

Dank, anbet und preis’ ich ihn !

 

          III. Meine Missionsarbeit an dem Volke.

Schwer ist die Arbeit, das wollen wir nicht leugnen, aber auch nicht vergessen, was der Missionar ist. “Ihr sollt meine Zeugen sein”, sagte der Herr. Er selbst ist das Leben und gibt das Leben. Ausser ihm ist nur Tod, und wer lebendig werden soll, der muss Leben aus ihm bekommen.

Es freut mich zu wissen, und selbst erfahren zu haben, dass das Evangelium von Christo eine Kraft Gottes ist, die da selig macht alle, die daran glauben (Röm. 1,16.). Die Liebe Gottes wird auch jetzt noch ausgegossen in die Herzen durch den heil. Geist (Röm. 5,5.).

Er sagte : “Mir ist gegeben alle Gewalt”, und versprach den Geist zu senden, der die Welt strafen wird um die Sünde (Joh. 16, 7.8.). “Wenn der Tröster kommen wird”, sprach er, “der wird zeugen von mir. Und ihr werdet auch zeugen” (Joh. 15,26.27.). Den Frieden lasse ich euch. Euer Herz erschrecke nicht, und fürchte sich nicht” (Joh. 14,27.). Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende” (Matth. 28,20.).

Ja, wer möchte sonst zu den Heiden gehen ? Wer will Leben aus dem Tode nehmen ? Wer überzeugen von Sünde, wo man das Wort Sünde nicht einmal kennt ? Nein, ohne den h. Geist können wir, unter den Heiden Wenigstens, nichts anfangen; “aber der Tröster, der heil. Geist, welchen mein Vater senden wird in meinen Namen, derselbige wird es sie alles lehren” (Joh. 14,25.).

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Diese haben ohne Gesetz gesündigt, sie müssen auch, wie allen Menschen freilich, die selig werden, ohne Gesetz erlöset werden. Meine Ueberzeugung ist :

“Gesetz und Evangelium sind beide Gottes Gaben,

Die wir in unserm Christenthum nöthig haben,

Doch bleibt ein grosser Unterschied,

Den nur ein solches Auge sieht,

Das Gottes Geist erleuchtet”.

Das Gesetz ist nicht wider Gottes Verheissungen. Das sei ferne ! Und wenn ein Gesetz gegeben wäre, das da könnte lebendig machen, so käme die Gerechtigkeit wahrhaftig (sann) aus dem Gesetze (Gal. 3,21.).

Nun aber gibt’s nur ein Evangelium zum Leben. Durch’s Gesetz kommt nur Erkenntnis (erkjennelse) der Sünde, das ist freilich kein Leben. Das Amt der Verdammnitz (2. Cor.3.) steht auch in keinerlei Weise dem Amte des neuen Testaments und des Geistes (V.6.) gleich.

Der Missionar muss sich füllen lassen mit der Gnade und Kraft Gottes, mehr als hohen Worten und vernünftigen Reden menschlicher Weisheit (1. Cor. 2,4.). Das sei seine Vorbereitung, mehr als Thema und Theile suchen.

Das Todtschlagen ist keine nütze. “Die Worte, die ich rede, die sind Geist und sind Leben” (Joh. 6,63.).

Nicht das Feuer der Hölle erwärmt mir dir armen Hottentotten-Herzen, sondern das, , welches in Christi Herzen brennt. Nicht mein Schreien, sondern sein Schweigen, die Verkündigung : “Er schwieg und that seinen Mund nicht auf, als er geschlachtet ward”, öffnet mir die tauben (døve) Ohren. Und wenn ich gefragt würde, wie solche Thaten unter den Hottentotten gewirkt werden, ob durch des Gesetzes Werke,

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oder durch den Geist und die Predigt vom Glauben (Gal. 3,5.), so würde ich ohne Bedenken das letzere bejahen und behaupten : Freilich ! “Der Geist ist es, der da lebendig macht” (Joh. 6,63. nicht Rührung).

Auch darf der Missionar unter Heiden nicht leere Worte von Busse und Glauben, sondern die Busse und den Glauben ihnen in’s Herz predigen.

Nicht mit einer Hand Glauben geben, und mit der andern eben so ängstlich wieder nehmen. Nein, mit “Schwachheit, Furcht und grossem Zittern” mag es geschehen, aber doch in Beweisung des Geistes und der Kraft. Der Glaube muss bestehen auf dieser Kraft Gottes (1. Cor. 2,3-5. Röm. 1,17.).

Ist das Kind geboren, so sind alle Eigenschaften eines Menschen da (Joh. 1,13.) und auch blinde Heiden, die nichts von Gesetz gewusst haben, beweisen durch vorsichtigen Wandel, dass Gott den neuen Bund mit ihnen gemacht hat (Ebr. 10,16.).

Missionare dürfen auch nicht die Pferde hinter den Wagen spannen, sondern vorne; nicht aus der Erde zu Gott hinaufsteigen zu dem unendliche Lichte, sondern von oben aus diesem Lichte herabfahren zu herzlich bemitleideten Sündern. Sie müssen ihnen zeigen Ihn, der allein Gott veranschaulichen kann und selbt sagen konnte : “Wer mich sieht, der sieht den Vater” (Joh. 14,9.).

Aus dem Munde der Unmündigen hat er sich Lob zubereitet. “Ich preise dich, Vater”, rief er mit grosser Freude, “dass du solches den Unmündigen geoffenbaret hast. Ja, Vater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir” (Matth. 11, 25.26.).

Der Missionar muss mit Armen der Erbarmung alles umschliessen, und wie in’s Blaue hinein die Gnade Gottes verkündigen,

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in der unerschütterlichen Voraussetzung : Alle sind erlösungsfähig, alle haben gesündigt, und liegen unter dem Fluch des Gesetzes. Das verkündige ich dann auch ihnen, dass also Gott die Welt geliebt hat, dass er seinen Sohn uns gab.

“Fürchtet euch nicht” (ta ‘ou !), dies 300mal theure Bibelwort rufe ich ihnen fleissig zu; “wenn eure Sünden blutroth wären, so sollten sie doch schneeweiss werden, und wenn sie wie eine schwarze  Donnerwelke wären, so sollten sie doch vergehen. Ich tilge (sletter) deine Uebertretung um meinetwillen und will sie vergessen, ihrer nicht mehr gedenken, sagt der Herr. Fürchte dich nicht : Ich habe dich erlöst”.

Er wird es nicht thun, er hat es schon gethan. Wir vergessen freilich auch nicht zu zeugen gegen ihre Sünden (nicht überzeugen von Sünden).

“Ich weiss, dass ihr eure Eltern den wilden Thieren preisgegeben, Kinder ermordet, euch unter einander misshandelt und getödtet habt etc., aber fürchtet euch nicht etc. — Hier ist Gnade, hier Erbarmung, kommt an eures Heilands Brust”.

So nöthigen wir und bitten (nicht “betteln”) : “lasst euch versöhnen mit Gott”.

Wenn die Zeit es erlaubte, wollte ich euch gerne eine Anrede an Buschmänner halten, also an die allerniedrigsten. Unser Predigen ist Katechisation. “Da über den Wolken wohnt Jesus”, so etwas beginne ich eine Ansprache. “Er hat einen Vater. Beide haben uns lieb. Hier unten ist die Hölle (ein grosses Feuer). Der böse Teufel sitzt darin, wie ich jetzt diesen Stein im Feuer sitzen lasse (Abends beim feuer). Er hasst uns, und denkt Tag und Nacht nichts anders, als wie er uns zu sich verführen kann. Jesus, da oben, studirt daran, wie

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 — siden er videre under skriving;

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